Schritte zum Schuh    
     

Schritt für Schritt zum Schuh...

 

   
Als erstes benötigt man so was wie ein Schnittmuster. Da es viel zu kompliziert und schwierig ist zu erklären, wie man so ein Schnittmuster richtig erstellt (ich beherrsche es selber leider auch noch nicht), muss man es anhand von Schnittmusterzeichnungen selber versuchen. Oder sich andere Möglichkeiten ausdenken. Hier ist also Kreativität gefragt. Es wird dann zwar nicht so perfekt,
aber es ist immerhin selbstgemacht...

 

Schritt 1:

   

Das Schnittmuster auf das Leder übertragen, indem man mit der Ahle um die Vorlage herum "zeichnet". Die Linie drückt sich in das Leder ein. Wichtige Punkte vorstechen, wie feste Fixierpunkte (siehe Schritt 4) für hinten und vorne und Stichpunkte für die seitliche oder Vorderblattnaht, damit diese später dann gleichmäßig aussieht.

Aber Achtung:
Leder dehnt sich aus. Deswegen muss die Zugrichtung vor allem bei dickerem Ziegenleder beachtet werden. Beim Schuh sollte die Dehnung besser von der Ferse zu den Zehen gehen. Bei einer seitlichen Dehnung geht der Schuh stärker aus der Form. Daher vor dem Abzeichnen das Leder ausdehnen. Das geht z. B. mit einer Kuchenteigrolle. Am Anfang sitzt dann der Schuh etwas enger, aber wie gesagt, Leder dehnt sich wieder. Wobei bei dünnerem Leder das vorherige Ausdehnen nicht nötig ist.

Tipp:

Inzwischen hat Gjalt durch das Experimentieren und weiterer Nachforschung (Funde, archäologische Berichte) festgestellt, das für das Schuhwerk dünnes Leder verwendet wurde. Es dehnt sich kaum noch aus und ist für die belegten Nahtverbindungen besser geeignet. Außerdem lässt sich mehr vom Leder verwerten, da bei der dicken Urziege für das Schuhwerk nur der Rückenteil geeignet ist (siehe Zeichnung). Und die Trageeigenschaften sind nach eigener Erfahrung sehr gut

 

Rechts: Dehnrichtungen am
Beispiel von Ziegenleder.

 

 

Bevor man nun das gute und teure Leder zerschneidet, sollte man es erst einmal mit Lederresten versuchen, z. B. Polsterleder, das ist meistens günstig. Manche nehmen auch eine Wachstischdecke dazu, wobei dieses eigentlich ein wenig zu fest und steif ist.

     

 

Schritt 2:

   
Nun das Leder mit einem Rollschneider oder einer guten Schere ausschneiden
   

 

Schritt 3:

   
Die Seitennaht oder Vorderblattnaht mit einem Steppstich schließen. Die Seitennaht mit einem Schusterhammer oder Holzhammer vorsichtig! flach hämmern, damit die Naht flach liegt. Siehe auch Stiche, Nähte

 

Schritt 4:

   

Nun wird noch vor dem eigentlichen Nähen der Schaft an der Sohle mit Hilfe von Fixierstichen befestigt. Die wichtigsten Punkte sind erst einmal vorne und hinten, damit der Schuh richtig sitzt. Die weiteren Punkte dienen zur Hilfe, damit der Schuh beim Nähen nicht verrutscht, wobei das während des Nähens trotzdem noch passieren kann. Daher muss es immer wieder kontrolliert werden. Dazu nimmt man kurze Nähfäden (am Besten Fadenreste), die an den Fixierpunkten verknotet werden. Es können natürlich noch mehr Punkte, wie unten gezeigt, fixiert werden

 

 

 

Schritt 5:

   
Genäht wird mit dem Sattlerstich. Am einfachsten geht es mit Leisten. Das sind Holzformen in Form von Füßen. Aber es geht auch ohne. Mit dem Nähen beginnt man beim rechten Schuh an der hinteren Fußinnenseite, um die Ferse herum Richtung Zehen und dann weiter bis zum Beginn. Beim linken Schuh beginnt man an der Fußaußenseite. Wenn man an einen Fixierfaden kommt, diesen dann wegschneiden. Wichtig ist, dass mit der Ahle gut vorgestochen wird. Das erleichtert das Durchstechen der Nadel mit dem Faden erheblich. Vor allem bei einer dicken Rindsledersohle (siehe <Stiche, Nähte>) muss das beachtet werden

 

 

 

 

 

Schritt 6:

   
Nach dem Nähen kommt das Wenden vom Schuh. Das kann vor allem zum Schluss hin ziemlich schwierig werden. Deshalb immer Stückchen für Stückchen das Leder umkrempeln und mit den Fingern, vor allem mit dem Daumen, das Leder gut durchdrücken.
 

 

Will man eine Innensohle haben, wird diese noch vor dem Wenden angeklebt oder vorne und hinten angenäht (Innensohlen sind in Haithabu gefunden worden). Das erhöht die Haltbarkeit der Sohle enorm, denn die Sohle scheuert nicht allein von unten durch, wie man meinen könnte. Sondern durch den Druck vom Fußballen vorne und der Ferse hinten wird das Leder von innen an diesen Stellen dünner und durch die gleichzeitige Reibung von außen, bzw. unten scheuert das Leder dann durch. Daher sind bei vielen Fundstücken vor allem an genau diesen Stellen große Löcher vorhanden. Die Innensohle aber nicht an der Naht mit festkleben, da sonst der Schaft wieder mit heruntergezogen wird.

Ist der Schuh gewendet, muss er noch ausmodeliert werden. D. h. er wird in Form gebracht. Dazu mit dem Hammer wieder vorsichtig die Nähte bearbeiten. Wenn man zu kräftig zuschlägt, schlägt man das Leder kaputt und die ganze Arbeit war umsonst. Auch von Hand kann man noch etwas nachmodelieren.

 

 

 
 
Schuh vor dem Ausmodellieren:
der Schaft wölbt sich noch bei der Sohle
  Schuh nach dem Ausmodellieren

 

Zu guter Letzt:

Die Schuhe gut einölen und anschließend einfetten. Vor allem die Sohle beim ersten Mal satt tränken mit dem Leder Öl, bis nichts mehr aufgenommen wird. Auch die Nähte sind wichtig. Auf diese Weise werden die Schuhe wasserdicht und das Leder wird geschmeidig. Von Zeit zu Zeit vor allem das Einfetten wiederholen. Das erhöht auch die Haltbarkeit des Leders, denn trockenes Leder wird schnell brüchig.

Aber: Sollten die Schuhe doch einmal nass sein, diese niemals! zu nah ans Feuer stellen, da sie sonst zu schnell trocken und somit brüchig werden. Oder sogar schrumpeln... (alles schon passiert). Auch Heizungsnähe möglichst vermeiden. Am Besten einfach trocknen lassen. Und hinterher natürlich wieder gut einfetten.

Tipp: Gutes und günstiges Leder Öl und Fett bekommt man in Reitersportgeschäften.


Mein Dank zum Thema Schuhe geht an Gjalt de Wabbere, dem Wendeschuhmacher, dem ich viel von meinem jetzigen Wissen darüber verdanke, und der sich inzwischen darin perfektioniert hat, weil er vor allem den Schnittmusterbau von Wendeschuhen beherrscht. Was auch bedeutet, das man nicht mehr aus den Schuhen "herausläuft", und der Schuh sehr gut am Fuß sitzt.


Zeichnungen: Gjalt de Wabbere

     

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